Wohnbau

Wohnbau schafft Werte und Zufriedenheit für mindestens 2 Generationen

Lorenz Schmidt, Profine

Ing. Wolfgang Steinschaden über leistbares Wohnen

Die GEDESAG (Gemeinnützige Donau-Ennstaler Siedlungs Aktiengesellschaft) ist eines der bedeutensten Wohnbauunternehmen in Niederösterreich: Es werden  etwa 11.500 Wohneinheiten (Stand 2008) in 60 Gemeinden in Niederösterreich betreut. Ing. Wolfgang Steinschaden, Leiter der Bauabteilung nennt die Vorraussetzungen, um günstigen Wohnraum zu schaffen: umsichtigere Planung seitens der Architekten, klare Regelungen seitens der Politik.

Leistbares Wohnen ist eine aktuelle politische Forderung. Das bedingt aber kostengünstiges Bauen: Wo kann man bei einem Projekt ohne Qualitätsverlust sparen - bei der Planung, bei den zu verwendeten Materialien?

Steht die Planung fest, gibt es bei den Baumaterialien kaum noch ein großes Einsparungspotential. Grundsätzlich müsste ein Umdenken in der Architektur einsetzen: Umsichtigeres wie auch reduziertes Planen würde Kostenersparnis bringen und somit auch Wohnen wieder leistbarer machen.

Natürlich muss auch berücksichtigt werden, wo und mit welchen Vorgaben gebaut wird: Ist eine Tiefgarage im Ortskern erforderlich, wie viele Stellplätze sind seitens der Gemeinde vorgeschrieben usw., all diese Faktoren beeinflussen wesentlich die Baukosten.

Ebenso preissteigernd sind die Forderungen der  AnrainerInnen, welche bei Nichterfüllung eine Verzögerung des Bewilligungsverfahrens als Druckmittel androhen. Da wäre die Politik sehr gefragt, klarere Regelungen betreffend Rechte der Beeinspruchung vom Baubescheid zu treffen, sodass völlig unbegründete Einwände keine Verzögerung verursachen.

Im geförderten Wohnbau sind die jeweiligen Förderrichtlinien einzuhalten: Wie geht man damit um, wenn es Produkte gibt, die wirtschaftlich und von ihrer Funktion her geeignet sind, aber diesen Richtlinien nicht entsprechen?

Wir bauen in Niederösterreich, wo es grundsätzlich keinen Produktausschluss von zugelassenen Materialien gibt (ausgenommen Produkte, die klimaschädigend halogenisierte Gase freisetzen). Die Förderungen werden nach dem 100-Punkte-System vergeben, welches sich aus dem Energieausweis eines Gebäudes, sowie Maßnahmen der Nachhaltigkeit z.B. Fernwärme, Wärmepumpen, Solaranlagen, Wohnraumlüftungsanlage und der Verwendung von zertifizierten Bauprodukten, klassifiziert von natureplus (österr. Umweltzeichen) und IBO (österr. Institut für Baubiologie und Bauökologie) etc. ergibt. Wenn man geprüfte Materialien für Außenwände, Dämmung, Innenausbau, Innenputz und Estrich verwendet, werden bis 14 Pkt. (2 je Bauteil bzw. Produkt) gutgeschrieben. Die maximale Punkteanzahl beträgt 100 Pkt. Mehrförderung kann man z.B. durch barrierefreies Bauen, betreutes Wohnen oder Passivbauweise erzielen.

Um ein älteres Objekt aufzuwerten, die Energiebilanz zu verbessern, die Kosten in Folge auch für die Benutzer zu reduzieren, ist z. B. ein Fenstertausch ein probates Mittel: Ist solch eine Maßnahme allein vernünftig oder nur im Zuge einer Generalsanierung sinnvoll?

Unsere Gesellschaft führt  alle Varianten durch: von der thermischen General- bis zur Teilsanierung eines Objektes. Auch ein reiner Fenstertausch ohne zusätzliche Dämmmaßnahmen kann durchaus Sinn machen.

In unseren Neubau-Objekten werden in rund 70 % der Planungen Kunststofffenster eingebaut. Aufgrund der Langlebigkeit der Kunststofffenster werden diese noch nicht ausgetauscht. Holz und Holz-Alu-Profile werden bei uns im Neubaubereich aufgrund der besseren Stabilität bei  großflächigen Fensterkonstruktionen verwendet. Diese sind aber erheblich kostenintensiver als Kunststofffenster,  womit wir wieder bei der Eingangsfrage nach leistbarem Wohnen wären.

Werden beim angesprochenen Fenstertausch seitens des Wohnbauträgers Vorgaben bezüglich Verwertung von Altfenstern –  Recycling - gestellt?  

Das ist für uns nur am Rande relevant. Wir beauftragen ein Unternehmen  für die Sanierung bzw. den Fenstertausch und überlassen diesem die Entscheidung, was mit den ausgebauten Fenstern passiert. Wie schon erwähnt, kommen Kunststoff-Fenster kaum noch zum Austausch. Und ausgebaute Holzfenster, die in unseren Objekten meist durch Kunststofffenster ersetzt werden, können nur thermisch verwertet werden.

Für den Benutzer/Bewohner gelten die Vorgaben: Fenster sollen Wärme-, Kälte- wie auch Lärmschutz bieten und wartungsfreundlich sein. Gibt es Ihrer Erfahrung nach seitens der Bewohner ein großes Interesse an den dafür verwendeten Materialien?

Im gemeinnützigen Wohnbau erfolgt die Auftragsvergabe immer  vor der Wohnungsvergabe, wobei der künftige Mieter/Eigentümer kaum in diese Entscheidungen einbezogen werden kann. Der Erfahrung nach ist es jedoch den meisten Bewohnern egal, welche Materialien im Fensterbau verwendet werden. Relevant für die Nutzer und unsere Hausverwaltung sind die geringen Instandhaltungskosten, etwa das regelmäßig notwendige Streichen von Holzfenstern, daher auch der große Kunststofffenster-Anteil in unseren Objekten.

Ing. Wolfgang Steinschaden absolvierte die Höhere technische Bundeslehranstalt Krems-Hochbau, ab 1985 technischer Mitarbeiter im Architekturbüro Kurt Hinterndorfer (Krems),, seit 1989 Mitarbeiter der GEDESAG im Bereich Baumanagement, seit 2006 Leiter des Baumanagements, Handelsbevollmächtigter und verantwortlich für die Realisierung aller Neubauvorhaben unseres Unternehmens mit einem Gesamtneubauvolumen von ca. € 60 Mio./Jahr bzw. 300 bis 350 Wohnungsfertigstellungen/Wohneinheiten.



 


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