Nachweislich nachhaltig

Alle paar Jahre tauchen neue Modewörter auf - "Nachhaltigkeit" ist so ein Wort, das vor 10 Jahren bestenfalls Waldbesitzer im Mund führten.

Nur wenigen neuen Begriffen gelingt es, sich dauerhaft durchzusetzen. "Nachhaltigkeit" hat gute Chancen, uns erhalten zu bleiben - vorausgesetzt, dass die Worthülse mit konkreten Inhalten gefüllt wird.

Der englische Begriff "sustainability" bedeutet - wörtlich genommen - dass etwas unbeschränkt lang durchgehalten werden kann. Das deutsche Wort Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft und bezeichnet eine Bewirtschaftung, bei der der Wald auch für zukünftige Generationen erhalten und ertragreich bleibt.

Anders gesagt: Nachhaltiges Agieren heißt, nicht auf Kosten anderer zu leben. Weder auf Kosten der Natur, noch auf Kosten von Drittweltländern, und auch nicht auf Kosten nachfolgender Generationen.

Nachhaltiges Bauen ist nicht gleichzusetzen mit dem Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. Man muss ein Gebäude und seine Nutzung als Gesamtpaket betrachten.

Dazu gehört natürlich die Energieeffizienz der Dämmung und der Heizung, aber genauso die Erreichbarkeit von Nahversorgern, Schulen, Arbeitsstätten - möglichst auch für Kinder und Alte, die kein eigenes Auto haben.

Auch Kosten der Errichtung sind ebenso wie die Aufwendungen für Betrieb und Instandhaltung Teil der Nachhaltigkeitsbetrachtungen.

Das klingt zwar alles sehr vernünftig, ist aber "ganz schön komplex" und bietet im Detail viel Anlass für ... nun, nennen wir es "Diskussion".

Es ist somit nachvollziehbar, dass sich im Lauf der Zeit mehrere Systeme entwickelt haben, die alle für sich in Anspruch nehmen, "Nachhaltigkeit" messbar und beweisbar zu machen.

In den letzten Jahren wurden solche Zertifikate Grundlage für die Immobilienbewertung von gewerblichen Liegenschaften. Ein Bürohaus, welches nachweislich verkehrsgünstig liegt ist für MitarbeiterInnen attraktiv. Wenn die Betriebskosten niedrig sind, ist es auch für Firmen interessanter, etc.

Insgesamt wird ein nachhaltiges Objekt leichter vermarktbar und läßt höhere Renditen erwarten. Da lohnt es sich, auch Geld für eine formelle Zertifizierung zu investieren.

Vorreiter war das amerikanische Green Building Council mit seinem System LEED, Großbritannien forciert das System BREEAM, in Europa hat die EU einheitliche Grundlagen geschaffen, denen die deutsche DGNB bzw. deren österr. Adaption ÖGNI entspricht. Und es wäre nicht Österreich, hätten wir nicht noch ein paar proprietäre, eigene Systeme...

ANMERKUNG: Im Wohnbau setzen sich die gleichen Prinzipien der Nachhaltigkeit durch wie bei Gewerbeimmobilien. Die - manchmal beträchtlichen - Kosten für eine formelle Zertifizierung werden hier allerdings gerne vermieden.

  • Bookmark and Share